Alte DNA enthüllt die Ausbreitung der Landwirtschaft durch Frauenehen mit Jägern und Sammlern

0
8

Jahrzehntelang wurde die Geschichte des neolithischen Übergangs Europas – der Übergang vom Jäger-Sammler-Lebensstil zur Landwirtschaft – als einfache Migrationswelle erzählt. Zuerst kamen die Jäger und Sammler, dann Bauern aus Anatolien und schließlich Steppenhirten. Aber neue Forschungen unter Verwendung alter DNA zeigen, dass diese Erzählung weitaus komplexer ist. Insbesondere wurde die Ausbreitung der Landwirtschaft in nordeuropäischen Feuchtgebieten nicht durch Männer oder Eroberungen vorangetrieben, sondern durch die Einheirat von Frauen in bestehende Jäger- und Sammlergemeinschaften.

Die stark vereinfachte Geschichte der europäischen Bevölkerung

Frühe genetische Studien deuteten darauf hin, dass drei primäre Migrationen das moderne Europa prägten. Auf die erste Welle von Jägern und Sammlern, die vor über 40.000 Jahren eintrafen, folgten vor etwa 9.000 Jahren neolithische Bauern, die von Anatolien aus expandierten. Später kam vor etwa 5.000 Jahren die Schnurwarenkultur aus der russischen Steppe und markierte den Beginn der europäischen Bronzezeit. Dieses Modell war zwar praktisch, konnte jedoch die chaotische Realität der menschlichen Interaktion nicht berücksichtigen.

Die Widerstandsfähigkeit von Jägern und Sammlern in nördlichen Feuchtgebieten

Eine aktuelle Analyse antiker Genome aus Belgien und den Niederlanden zeigt, dass Jäger und Sammler nicht einfach von Bauern verdrängt wurden; sie integrierten sich in sie. Archäologische Stätten entlang der Maas, die 5.000 Jahre alt sind, offenbaren einen überraschenden Trend: Individuen trugen mindestens 50 % der Abstammung von Jägern und Sammlern neben anatolischer Bauern-DNA. Dies steht in krassem Gegensatz zu früheren landwirtschaftlichen Siedlungen weiter südlich, wo die genetischen Profile stark anatolisch blieben.

Die Swifterbant-Kultur in den Niederlanden beispielsweise pflegte eine gemischte Wirtschaft aus Jagd, Sammeln und früher Landwirtschaft und behielt gleichzeitig ihre Abstammung zu fast 100 % von Jägern und Sammlern bei. Dies deutet darauf hin, dass bestimmte Umgebungen – insbesondere die fruchtbaren Feuchtgebiete Nordeuropas – die Erhaltung traditioneller Lebensstile auch mit der Ausbreitung der Landwirtschaft besser begünstigten.

Frauen als Trägerinnen landwirtschaftlichen Wissens

Der auffälligste Befund stammt aus der Analyse geschlechtsgebundener DNA: Y-Chromosomen (Verfolgung der männlichen Abstammungslinie) und mitochondriale DNA (Verfolgung der weiblichen Abstammungslinie). Die Y-Chromosomen in belgischen Überresten stammten fast ausschließlich von Jägern und Sammlern, doch drei Viertel der mitochondrialen DNA stammten von neolithischen Bauern weiter südlich. Die Schlussfolgerung ist klar: Landwirtschaftswissen gelangte durch Frauen, die aus landwirtschaftlichen Siedlungen einheiraten, in diese Jäger- und Sammlergemeinschaften.

Dies stellt die herkömmliche Annahme in Frage, dass die kulturelle Übertragung durch männliche Dominanz oder Eroberung erfolgte. Stattdessen wird die Rolle der Frauen bei der Gestaltung prähistorischer Gesellschaften hervorgehoben. Dieses Muster unterstützt das Modell der „Grenzmobilität“, bei dem Kontaktzonen zwischen Bauern und Jägern und Sammlern Handel, Allianzen und vor allem Mischehen förderten.

Die spätere Schicht: Steppenvorfahren und die Glockenbecherkultur

Vor rund 4.600 Jahren kam mit der Corded Ware-Kultur eine neue Migrationswelle aus der russischen Steppe. Diese Gruppe verwandelte sich in die Bell Beaker-Kultur, und ihre Wirkung war schnell und dramatisch. Innerhalb von Jahrhunderten veränderte sich die genetische Ausstattung der Rhein-Maas-Region, wobei weniger als 20 % der Vorfahren auf frühere Bauern und Jäger und Sammler zurückgingen. Über 80 % der Bevölkerung stammten mittlerweile aus der Steppe.

Die Glockenbecherkultur verbreitete sich dann rasch in ganz Europa, auch in Großbritannien, wo sie offenbar die bestehenden neolithischen Bauern fast vollständig ersetzt hat. Die genauen Mechanismen hinter dieser Ersetzung bleiben unklar, aber die genetischen Beweise deuten auf eine nahezu vollständige Umwälzung der Population hin.

Die Geschichte der europäischen Bevölkerung ist noch lange nicht geklärt. Zukünftige Forschungen könnten weitere Nuancen dieser Übergänge aufdecken, aber die aktuellen Erkenntnisse deuten stark darauf hin, dass es bei der Ausbreitung der Landwirtschaft nicht nur um Migration und Eroberung ging; Es war auch eine Geschichte von Frauen, der Ehe und der stillen, aber kraftvollen Integration der Kulturen.