Beim Problem des Atommülls geht es nicht nur darum, was man damit machen soll, sondern auch darum, wie lange. Die Menschheit hat Materialien geschaffen, die zehntausende Jahre lang gefährlich radioaktiv bleiben – länger als in der Geschichte aufgezeichnet wurde. Die Herausforderung besteht nicht nur in der sicheren Lagerung, sondern auch darin, zukünftige Zivilisationen daran zu hindern, diese unterirdischen Lagerstätten versehentlich (oder absichtlich) zu stören.
Das Ausmaß des Problems
Atommüll ist ein unvermeidbares Nebenprodukt der Kernenergie und der Medizin. Jeder Reaktor, jeder medizinische Isotopengenerator produziert Materialien, die über Jahrtausende isoliert werden müssen. Das Volumen ist im Vergleich zu anderen Industrieabfällen gering, aber seine Beständigkeit ist beispiellos. Aktuelle Lösungen konzentrieren sich auf die geologische Tiefenlagerung: das Vergraben von Abfällen in stabilen Felsformationen Hunderte von Metern unter der Erde.
Onkalo: Finnlands langfristige Lösung
Finnland ist mit Onkalo, der weltweit ersten in Betrieb befindlichen nationalen Anlage zur langfristigen Entsorgung nuklearer Abfälle, führend. Bei Onkalo, das dieses Jahr eröffnet wird, geht es darum, einen Tunnel tief in den Granitgrundgestein zu bohren, den Abfall in Kupferkanistern einzuschließen und ihn dann abzudichten. Der Standort ist darauf ausgelegt, Abfälle für mindestens 100.000 Jahre passiv zu isolieren.
Das zukunftssichere Dilemma
Die wahre Herausforderung geht weit über die Technik hinaus. Wie warnt man Gesellschaften in Tausenden von Jahren vor den Gefahren, die unter ihnen lauern? Mark Piesing und die Nuclear Culture Research Group an der University of Dundee gehen dieser Frage nach. Einfache Warnungen verschwinden mit der Zeit; Sprachen ändern sich, Kulturen vergessen. Die Vorschläge reichen von „nuklearen Schreckenstaktiken“ (Bau von Strukturen, die monströs oder gefährlich erscheinen) bis hin zur Einbettung kultureller „Erinnerungen“ in die Landschaft, wie etwa künstliche Höhlen voller Warnungen.
Warum das wichtig ist
Die langfristige Entsorgung von Atommüll verdeutlicht ein grundlegendes Spannungsverhältnis zwischen menschlichem Ehrgeiz und geologischer Zeit. Wir schaffen Materialien, die unsere Zivilisationen überdauern und uns dazu zwingen, uns mit den ethischen und praktischen Auswirkungen der Verantwortung zwischen den Generationen auseinanderzusetzen. Wenn es uns nicht gelingt, diese Materialien ordnungsgemäß einzudämmen, werden zukünftige Gesellschaften mit Kontamination, Umweltschäden oder Schlimmerem konfrontiert sein. Es steht nicht nur wissenschaftlicher oder politischer Natur auf dem Spiel, sondern auch existenziell.
Der Erfolg von Projekten wie Onkalo hängt von mehr als nur technologischer Kompetenz ab. Es erfordert Weitsicht, kulturelles Bewusstsein und die Bereitschaft anzuerkennen, dass es für manche Probleme keine einfachen Antworten gibt. Das radioaktive Erbe der Menschheit wird noch lange nach unserem Tod fortbestehen, und die Gewährleistung seiner sicheren Eindämmung ist eine Belastung, der wir uns nicht entziehen können.
