Neue paläontologische Forschungen widerlegen lange gehegte Annahmen über die Fortbewegung ausgestorbener Riesenkängurus. Ein Team der University of Bristol, der University of Manchester und der University of Melbourne hat gezeigt, dass diese eiszeitlichen Megafauna – von denen einige bis zu 250 kg wogen (mehr als doppelt so groß wie moderne Rote Kängurus) – körperlich in der Lage waren, zu hüpfen. Die Studie stellt frühere Schätzungen in Frage, denen zufolge das Hüpfen für Tiere über 150 kg mechanisch unmöglich sei.
Überdenken von Größenbeschränkungen in Kangaroo Evolution
Jahrelang glaubten Wissenschaftler, dass Kängurus, als sie im Pleistozän (vor 2,6 Millionen bis 11.700 Jahren) größer wurden, das Hüpfen zugunsten nachhaltigerer Gangarten hätten aufgeben müssen. Die Logik war einfach: Eine größere Körpermasse hätte eine unhaltbare Belastung für die Hinterbeine darstellen müssen. Die neue Forschung legt jedoch nahe, dass es sich bei diesen alten Kängurus nicht nur um vergrößerte Versionen moderner Arten handelte; Sie verfügten über ausgeprägte anatomische Anpassungen, die es ihnen ermöglichten, diese Einschränkungen zu überwinden.
Das Team analysierte Hinterbeinknochen von 94 modernen Kängurus und Wallabys sowie 40 Fossilien der ausgestorbenen Gattung Protemnodon. Durch die Berechnung der Tragfähigkeit des vierten Mittelfußknochens (ein entscheidender Knochen für das Hüpfen) und die Beurteilung der Fersenknochenstruktur stellten die Forscher fest, dass Riesenkängurus über die robusten Knochen und Sehnenstützen verfügen, die erforderlich sind, um den Belastungen beim Hüpfen standzuhalten.
Wie Riesenkängurus hüpften
Die Studie ergab, dass die Mittelfußknochen von Riesenkängurus stark genug waren, um der körperlichen Belastung beim Hüpfen standzuhalten, und dass ihre Fersenknochen groß genug waren, um die dicken Sehnen aufzunehmen, die für kraftvolle, elastische Bewegungen erforderlich sind. Obwohl diese Anpassung wahrscheinlich nicht so effizient ist wie das Hüpfen kleinerer Arten, lässt sie darauf schließen, dass diese Riesen das Hüpfen tatsächlich als Fortbewegungsmittel nutzen könnten.
Forscher gehen davon aus, dass sich Riesenkängurus wahrscheinlich nicht bei allen Bewegungen auf das Hüpfen verlassen haben, da dieses über weite Strecken ineffizient ist. Stattdessen nutzten sie wahrscheinlich kurze Hüpfstöße, um Raubtieren wie dem ausgestorbenen Beuteltierlöwen Thylacoleo auszuweichen oder um schnell durch unwegsames Gelände zu navigieren. Dickere Sehnen hätten für mehr Sicherheit auf Kosten einer geringeren Energierückgewinnung gesorgt.
Umfassendere Auswirkungen auf die australische Megafauna
Diese Forschung beleuchtet die ökologische Vielfalt des prähistorischen Australiens. Einige große Kängurus grasten wahrscheinlich wie ihre modernen Artgenossen, während andere als Weidetiere fungierten – und füllten damit eine Nische, die es in der heutigen Megafauna nicht gibt. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Kängurus ein breiteres Spektrum an Lebensräumen und Verhaltensweisen bewohnten als bisher angenommen.
„Unsere Ergebnisse tragen zu der Annahme bei, dass Kängurus im prähistorischen Australien eine größere ökologische Vielfalt hatten als heute“, sagte Dr. Robert Nudds, Forscher an der Universität Manchester.
Die in Scientific Reports veröffentlichte Studie bestärkt die Idee, dass ausgestorbene Kängurus nicht einfach übergroße Versionen moderner Arten waren, sondern einzigartig angepasste Tiere, die in einem anderen ökologischen Kontext gediehen.
Diese Forschung verändert unser Verständnis darüber, wie sich Kängurus entwickelt haben und mit ihrer Umwelt interagierten, und zeigt, dass physische Grenzen angesichts der natürlichen Selektion nicht immer absolut sind.



















