Die Internationale Raumstation (ISS), ein Symbol der internationalen Zusammenarbeit im Weltraum, kann gemäß einem neuen NASA-Genehmigungsgesetz, das vom Ausschuss für Handel, Wissenschaft und Verkehr des US-Senats vorgelegt wurde, bis 2032 in Betrieb bleiben. Diese Verlängerung stellt eine Verschiebung gegenüber dem zuvor geplanten Austrittsdatum Ende 2030 dar und unterstreicht einen strategischen Schritt zur Aufrechterhaltung der amerikanischen Dominanz im erdnahen Orbit (LEO), während China seine eigenen Weltraumkapazitäten rasch aufbaut.
Der geopolitische Kontext
Die Hauptbegründung des Gesetzesentwurfs besteht nach Angaben des Ausschusses darin, eine Lücke in der kontinuierlichen menschlichen Präsenz in LEO zu vermeiden. Dabei geht es nicht nur um wissenschaftliche Kontinuität. Es geht in erster Linie darum, China daran zu hindern, die Führung im Weltraum zu übernehmen, bevor kommerzielle Stationen bereit sind, die Führung zu übernehmen.
Diese Dringlichkeit ergibt sich aus den raschen Fortschritten Chinas. Peking startete 2021 das Kernmodul seiner Raumstation Tiangong und schloss den Bau 2022 ab. China beabsichtigt, Tiangong bis Mitte der 2030er Jahre zu betreiben und damit einen direkten Konkurrenten für die alternde ISS zu schaffen. Die Bedenken des Ausschusses wurden in einer Anhörung im September mit dem Titel „There’s a Bad Moon on the Rise“ hervorgehoben, wobei die Notwendigkeit betont wurde, China sowohl bei Mond- als auch bei LEO-Missionen zu überholen.
Kommerzielle Alternativen und Skepsis
Die US-Strategie basiert auf dem Übergang zu kommerziellen Raumstationen, die im Rahmen des Commercial LEO Destinations-Programms der NASA entwickelt wurden. Seit 2021 wurden über 500 Millionen US-Dollar an Unternehmen wie Blue Origin und Voyager Technologies bereitgestellt, die Orbital Reef bzw. Starlab bauen. Auch Startups wie Vast und Axiom Space wetteifern um eine Rolle in der Zukunft von LEO.
Der Senatsausschuss äußert jedoch Skepsis darüber, ob diese kommerziellen Stationen bis 2030 vollständig betriebsbereit sein werden. Der Gesetzentwurf weist die NASA ausdrücklich an, die ISS nicht außer Betrieb zu nehmen, bis brauchbare Ersatzgeräte bereitstehen, um eine kontinuierliche menschliche Präsenz unabhängig von Verzögerungen bei der kommerziellen Entwicklung sicherzustellen.
Finanzierung und Mondambitionen
Über die Verlängerung der ISS hinaus lehnt der Gesetzentwurf auch die von Präsident Trump vorgeschlagenen Budgetkürzungen für die NASA ab. Stattdessen werden 24,7 Milliarden US-Dollar für das Haushaltsjahr 2026 und 25,3 Milliarden US-Dollar für das Haushaltsjahr 2027 bereitgestellt, eine deutliche Steigerung gegenüber den von Trump geforderten 18,8 Milliarden US-Dollar. Eine wichtige Bestimmung weist die NASA an, mit dem Bau einer bemannten Basis auf dem Mond zu beginnen, um die langfristigen Mondziele im Rahmen des Artemis-Programms weiter zu festigen. Diese Mondbasis soll als Drehscheibe für wissenschaftliche Forschung, Technologieentwicklung und strategische Operationen dienen.
„Eine dauerhafte Präsenz von Menschen und Robotern auf der Mondbasis wird vorrangige wissenschaftliche Untersuchungen unterstützen, die den Grundstein für eine erfolgreiche Mission zum Mars legen“, erklärte der Wissenschaftsausschuss des Senats in einer Pressemitteilung.
Nächste Schritte
Der Gesetzentwurf wird nun dem gesamten Senat und dem Repräsentantenhaus zur Genehmigung vorgelegt, bevor er möglicherweise von Präsident Trump in Kraft gesetzt wird. Im Falle einer Verabschiedung würde die ISS-Erweiterung eine klare Absichtserklärung darstellen: Die USA sind bestrebt, ihre Führungsrolle im Weltraum zu behalten, auch wenn dies bedeutet, die Lebensdauer eines alternden internationalen Vermögenswerts zu verlängern, während kommerzielle Alternativen aufholen.





















