Neu entdecktes Riesenvirus führt zu neuem Verständnis der Ursprünge des mehrzelligen Lebens

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Wissenschaftler in Japan haben ein neuartiges Riesenvirus namens „Ushikuvirus“ identifiziert, das aus einer Amöbe in einem Süßwasserteich in der Nähe von Tokio gewonnen wurde. Diese Entdeckung ist nicht nur eine weitere Ergänzung der wachsenden Liste übergroßer Viren – sie könnte wichtige Hinweise darauf liefern, wie sich komplexes Leben auf der Erde von einzelligen Organismen zu den vielzelligen Formen entwickelte, die wir heute sehen.

Der Aufstieg riesiger Viren: Von übersehen zu allgegenwärtig

Jahrzehntelang wurden Viren nach ihrer Größe klassifiziert. Ursprünglich entdeckte Viren wurden oft fälschlicherweise als Bakterien identifiziert, da sie größer als erwartet waren. Wissenschaftler wissen nun, dass Riesenviren weitaus häufiger vorkommen als bisher angenommen. Während die genauen Ursprünge noch unklar sind, sind Viren die am häufigsten vorkommenden biologischen Einheiten auf der Erde und üben einen enormen Einfluss auf alle Lebensformen aus.

Viren sind nicht nur Krankheitserreger. Sie können auch die Evolution vorantreiben, indem sie genetisches Material zwischen Organismen übertragen und ihre eigene DNA in das Wirtsgenom einfügen. Bis zu 8 % des menschlichen Genoms bestehen aus alten Virusresten, die eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung von Merkmalen wie Myelin und Plazenta spielten.

Virale Eukaryogenese: Eine kontroverse Theorie

Aber die radikalste Idee rund um Viren ist, dass sie möglicherweise den größten Evolutionssprung ausgelöst haben: die Entstehung eukaryotischer Zellen. Im Gegensatz zu einfacheren prokaryotischen Zellen haben Eukaryoten eine komplexe innere Struktur, insbesondere einen von einer Membran umschlossenen Zellkern. Wie es zu dieser Transformation kam, ist seit langem ein Rätsel.

Eine Theorie besagt, dass die Kerne von großen DNA-Viren stammten, die in prähistorische Prokaryoten eindrangen. Der Molekularbiologe Masaharu Takemura schlug 2001 vor, dass sich ein Virus wie ein Pockenvirus in eine Wirtszelle integriert und schließlich zum Zellkern selbst wird.

Dieses als virale Eukaryogenese bekannte Konzept gewann an Bedeutung, als Wissenschaftler entdeckten, dass Riesenviren interne „Virusfabriken“ erzeugen, die eukaryontischen Kernen ähneln. Neue Entdeckungen wie das Ushikuvirus befeuern diese Debatte weiterhin.

Ushikuvirus: Ein einzigartiges Puzzleteil

Es wurde festgestellt, dass das Ushikuvirus Vermamoeba, eine Amöbenart, infiziert und Merkmale mit anderen Riesenviren gemeinsam hat. Es zeichnet sich jedoch dadurch aus, dass es den Zellkern seines Wirts zerstört, anstatt ihn zu konservieren, ein Verhalten, das bei eng verwandten Viren nicht beobachtet wird.

Dieser Unterschied ist von entscheidender Bedeutung, da er Hinweise auf die Evolutionswege von Riesenviren liefert. Takemura und sein Team glauben, dass das Verständnis der Diversifizierung dieser Viren Aufschluss über die Ursprünge der Eukaryoten geben wird.

„Riesige Viren sind eine Schatzkammer, deren Welt noch nicht vollständig verstanden ist“, sagt Takemura. „Eine der zukünftigen Möglichkeiten dieser Forschung besteht darin, der Menschheit eine neue Sichtweise zu bieten, die die Welt der lebenden Organismen mit der Welt der Viren verbindet.“

Die Entdeckung des Ushikuvirus ist mehr als nur ein Einzelfund. Es stellt einen weiteren Schritt zur Aufklärung der alten Beziehung zwischen Viren und der Entwicklung komplexen Lebens dar. Weitere Forschungen zu diesen rätselhaften Einheiten könnten unser Verständnis der Biologie grundlegend verändern.