Neue Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass Medikamente zur Gewichtsreduktion, sogenannte GLP-1-Agonisten, nicht nur den Appetit unterdrücken, sondern auch das Suchtverhalten reduzieren können. Eine kürzlich durchgeführte Studie an US-Veteranen mit Diabetes ergab, dass das Risiko einer Überdosierung und damit verbundener Todesfälle bei denen, die diese Medikamente einnahmen, deutlich geringer war – fast halbiert im Vergleich zu denen, die sie nicht einnahmen. Dies erhöht die Möglichkeit, dass diese Medikamente aufgrund ihrer Wirkung auf Gehirnregionen, die Belohnung und Verlangen steuern, zur Suchtbehandlung eingesetzt werden könnten.
Das aktuelle Stigma rund um den Gewichtsverlust wurzelt in der falschen Annahme, es sei eher eine Frage der Willenskraft als der Biologie. Während GLP-1-Agonisten teuer sind und Nebenwirkungen haben, darunter ein potenziell erhöhtes Risiko für einen Sehverlust, lässt ihre Wirksamkeit darauf schließen, dass Fettleibigkeit nicht einfach ein Versagen der Selbstdisziplin ist. Die Tatsache, dass jeder achte Amerikaner und einer von zwanzig Menschen im Vereinigten Königreich bereits ein GLP-1-Medikament eingenommen hat, zeigt, dass Menschen nach biologischen Lösungen für ein ernstes Gesundheitsproblem suchen.
Die Moralisierung rund um Fettleibigkeit steht in scharfem Kontrast zu unserer Sicht auf Sucht. Als die Gesellschaft akzeptierte, dass Sucht eine biologische Krankheit und kein moralisches Versagen ist, wurden Behandlungen wie Methadon und Suboxon weithin akzeptiert. Wenn sich GLP-1-Medikamente auch bei der Behandlung von Suchterkrankungen als wirksam erweisen, ist es an der Zeit, den gleichen pragmatischen Ansatz auch bei Fettleibigkeit anzuwenden. Wie Dr. David Kessler, ehemaliger Leiter der US-amerikanischen Food and Drug Administration, betont, ist Fettleibigkeit grundsätzlich eine Frage der Biologie und nicht der Disziplin.
Die Überschneidung mit der Suchtbehandlung ist aufschlussreich. Wenn die Medikamente bei der Sucht wirken, sollten wir darüber nachdenken, warum es eine solche Abneigung gegen ihren Einsatz bei einer Krankheit mit ähnlich schwerwiegenden gesundheitlichen Auswirkungen gibt. Um wirklich gesund zu sein, braucht es mehr als nur eine Impfung, aber Moralisierungen über Behandlungsmöglichkeiten gehen nicht auf die zugrunde liegende Biologie ein.




















