Ein neues KI-gesteuertes System, das in Datenbrillen eingebettet ist, hat sich einen Preis von 1 Million Pfund gesichert, weil es das Leben von Menschen mit Demenz verbessern kann. Die Technologie namens CrossSense nutzt einen integrierten KI-Assistenten namens Wispy, um in Echtzeit Anleitungen, Aufforderungen und Gespräche bereitzustellen, um Einzelpersonen dabei zu helfen, ihre Unabhängigkeit zu bewahren.
Die Technologie: Wie sie funktioniert
CrossSense integriert KI in klobige Smart-Brillen, die mit Kamera, Mikrofon und Lautsprechern ausgestattet sind. Wispy, der KI-Assistent, liefert Anweisungen, Erinnerungen und spannende Dialoge durch Sprach- und visuelle Hinweise, die im Sichtfeld des Trägers angezeigt werden. Das System ist so konzipiert, dass es sich durch maschinelles Lernen an individuelle Bedürfnisse anpasst, sodass es sich im Laufe der Zeit an sich ändernde Bedingungen anpassen kann.
Der Preis wurde im Rahmen des Longitude Prize on Dementia verliehen, finanziert von der Alzheimer’s Society und Innovate UK. Das Ziel: die Entwicklung von Technologien zu beschleunigen, die es Menschen mit Demenz ermöglichen, länger unabhängig zu leben. Dies ist von entscheidender Bedeutung, da bis 2050 weltweit voraussichtlich 150 Millionen Demenzfälle auftreten – ein starker Anstieg, der innovative Lösungen erfordert.
Praxisnahe Tests und Ergebnisse
Erste Versuche, durchgeführt von Prof. Julia Simner an der University of Sussex, zeigen vielversprechende Ergebnisse. In einer Studie mit 23 Paaren von Menschen mit Demenz und ihren Betreuern identifizierten die Teilnehmer 46 % der Haushaltsgegenstände ohne Brille korrekt. Bei aktivem CrossSense stieg diese Zahl auf 82 %, und selbst eine Stunde nach dem Abnehmen der Brille blieb die Erinnerung bei 78 %. Dies deutet darauf hin, dass die Technologie die kognitiven Funktionen über die unmittelbare Nutzung hinaus verbessern könnte.
Das Unternehmen CrossSense Ltd. plant, noch in diesem Jahr eine Smartphone-Version auf den Markt zu bringen, die Brille soll Anfang 2027 auf den Markt kommen. Die Brille selbst wird schätzungsweise bis zu 1.000 £ kosten (obwohl die Preise fallen könnten), mit einem monatlichen Abonnement von etwa 50 £ für die KI-Software. Das langfristige Ziel besteht darin, die Technologie über den NHS verfügbar zu machen.
Herausforderungen und Bedenken
Experten betonen die Notwendigkeit strengerer, groß angelegter Studien, um diese frühen Erkenntnisse zu validieren. Dr. Foyzul Rahman von der Loughborough University stellt fest, dass das Echtzeit-Feedback zwar ein Durchbruch ist, ethische Bedenken hinsichtlich der Datenerfassung und der Zustimmung der Benutzer jedoch ausgeräumt werden müssen. Die derzeitige Akkulaufzeit von einer Stunde stellt auch eine praktische Einschränkung dar, sodass Benutzer tragbare Powerbanks mit sich führen müssen.
Trotz dieser Herausforderungen ist das erste Feedback der Benutzer positiv. Carole Greig, eine 70-Jährige, bei der Alzheimer diagnostiziert wurde, beschreibt die Technologie als „erstaunlich“ und betont ihr Potenzial, die Unabhängigkeit wiederherzustellen und die Belastung sowohl für Patienten als auch für Pflegekräfte zu verringern.
„Für Menschen mit dieser Erkrankung wie mir, die eine kognitive Beeinträchtigung haben, ist es einfach eine erstaunliche Sache … Wie fantastisch, dass wir etwas mehr Unabhängigkeit erhalten können.“
Letztendlich zeigt das CrossSense-Projekt einen wachsenden Trend zur KI-gestützten Versorgung neurodegenerativer Erkrankungen. Wenn weitere Untersuchungen ihre Wirksamkeit und Benutzerfreundlichkeit bestätigen, könnte diese Technologie zu einem wichtigen Hilfsmittel für Millionen von Menschen werden, die mit den Herausforderungen der Demenz konfrontiert sind.
