Seit Jahren ist die Identität der „Beachy Head Woman“ – ein Skelettfund aus Südengland – ein Rätsel. Erste Theorien deuteten auf einen Ursprung in Afrika südlich der Sahara und dann im Mittelmeerraum hin. Eine neue Studie mithilfe fortschrittlicher DNA-Analysen hat sie jedoch eindeutig mit der lokalen Bevölkerung des Großbritanniens aus der Römerzeit in Verbindung gebracht und damit frühere Annahmen widerlegt.
Die lange Suche nach ihren Ursprüngen
Die Überreste wurden 2012 in der Sammlung des Eastbourne Town Hall wiederentdeckt, nachdem sie ursprünglich in den 1950er Jahren in der Nähe von Beachy Head ausgegraben worden waren (obwohl die Ausgrabungsaufzeichnungen noch unvollständig sind). Laut Radiokarbondatierung starb sie zwischen 129 und 311 n. Chr., während der römischen Besetzung Großbritanniens. Die ersten Spekulationen über ihre Herkunft gingen auf erste körperliche Untersuchungen ihrer Knochen zurück, die sich jedoch letztlich als unzuverlässig erwiesen.
Die erste DNA-Analyse im Jahr 2017 deutete auf eine mediterrane Abstammung hin, die Daten reichten jedoch nicht aus, um eindeutige Schlussfolgerungen zu ziehen. Es ist wichtig zu beachten, dass sich das wissenschaftliche Verständnis mit der Verbesserung der Technologie weiterentwickelt. Was vor einem Jahrzehnt noch plausibel erschien, könnte durch neue Erkenntnisse zunichte gemacht werden.
Was die neue DNA verrät
Die neueste Studie nutzte modernste genetische Techniken, um zu bestätigen, dass die DNA der Beachy Head Woman am ehesten mit anderen Personen übereinstimmt, die während der Römerzeit in Großbritannien lebten. Das heißt, sie war keine Einwanderin aus fernen Ländern, sondern eine Einheimische der Region.
Über die Abstammung hinaus haben Forscher auch Details über ihr Leben zusammengetragen:
- Alter und Statur: Sie war etwa 18–25 Jahre alt und knapp über 1,5 Meter groß.
- Verletzung: Eine verheilte Wunde an ihrem Bein lässt darauf schließen, dass sie eine schwere Verletzung überlebt hat.
- Ernährung: Die Isotopenanalyse ihrer Knochen weist auf eine Ernährung hin, die reich an Meeresfrüchten ist.
Die Bedeutung der wissenschaftlichen Revision
Die Geschichte der Beachy Head Woman beleuchtet einen wichtigen Aspekt der Archäologie und Genetik: Erste Interpretationen sind oft vorläufig. Dr. William Marsh vom Natural History Museum erklärt: „Unsere wissenschaftlichen Erkenntnisse entwickeln sich ständig weiter, und als Wissenschaftler ist es unsere Aufgabe, weiterhin nach Antworten zu suchen.“ Der Fall zeigt, wie Fortschritte in der Technologie unser Verständnis der Vergangenheit drastisch verändern können.
Die Ergebnisse des Teams werden jetzt im Journal of Archaeological Science veröffentlicht (DOI: 10.1016/j.jas.2025.106445). Diese Forschung soll daran erinnern, dass historische Erzählungen nicht in Stein gemeißelt sind, sondern verfeinert werden, sobald neue Beweise auftauchen.
Letztendlich ist die Geschichte der Beachy Head Woman ein Beweis für die Macht der modernen Wissenschaft, das neu zu schreiben, was wir über die Vergangenheit zu wissen glauben. Ihre DNA spricht nun für sich und enthüllt eine einheimische Britin, die vor fast zwei Jahrtausenden lebte.





















