Der Chancay-Falschkopf: In einer 1.000 Jahre alten Maske aus echtem Menschenhaar

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Es befindet sich jetzt in Baltimore. Ruhig. Kalt. Aber vor einem Jahrtausend hatte es einen Job.

Das Walters Art Museum besitzt ein Holzgesicht, das kein richtiges Gesicht ist. Es handelt sich um eine Mumienmaske mit Perücke – ein „falscher Kopf“, der für das Volk der Chancay angefertigt wurde. Dieses Vor-Inka-Volk lebte zwischen 1000 und 1450 n. Chr. an der zentralen Küste Perus. Sie haben nicht nur ihre Toten begraben. Sie haben sie angezogen. Schichten aus Textilien. Pflanzenfasern. Tierhäute. Sie wickelten die Leichen zu engen, fötalförmigen Bündeln.

Aber hier liegt das Problem. Wenn man einen Körper so fest umhüllt, verliert man die Geographie der Leiche. Der Kopf verschwindet.

Also hat der Chancay einen gemacht.

Dieses spezielle Artefakt misst 12 x 8 Zoll. Ungefähr lebensgroß. Aber erwarten Sie keinen Fotorealismus. Chancay-Künstler versuchten nicht, das Auge zu täuschen. Sie verwendeten vereinfachte Geometrie. Eine dreieckige Nase. Rautenförmige Augen. Ein kleines, U-förmiges Lächeln. Es ist stilisiert. Abstrakt. Absichtlich.

„Falsche Köpfe“ aus Textilien oder Holz wurden manchmal auf Chancay-Grabbündel gebunden, um als Mittelpunkt für die Verehrung des Vorfahren zu dienen

Warum haben sie sich so viel Mühe gegeben? Um einen Schwerpunkt zu schaffen. Ein Ort, an dem die Trauer landen kann. Die Maske verankert den Vorfahren. Es macht die Toten in der Welt der Lebenden präsent.

Dann ist da noch das Material. Die Maske ist aus Holz und mit Zinnober bemalt. Das ist Quecksilbersulfid. Ziegelrot. Giftig. Wenn Sie damit ohne Handschuhe umgehen, begünstigen Sie eine Schwermetallvergiftung in Ihrem Körper. Im 11. Jahrhundert war dieses rote Pigment nicht nur Farbe. Es war symbolisch. Es signalisierte Reinigung. Gedenkfeier. Rituelle Bedeutung.

Doch bei näherer Betrachtung erzählt die Maske eine dunklere, intimere Geschichte. Eine mikroskopische Analyse im Jahr 2017 bestätigte etwas Schockierendes an den Haaren auf dem Kopf. Die Perücke wurde aus echtem Menschenhaar gefertigt.

Keine Wolle. Keine Alpakafaser. Menschliche Stränge.

Wem gehörten diese Haare? Wir wissen es nicht. Aber es impliziert eine persönliche Verbindung. Jemand hat ihnen die Haare geschnitten. Oder die von jemand anderem. Es ist ein intimes Objekt.

Hier wird es seltsam. Man könnte meinen, eine solch auffällige, giftige rote Maske wäre die äußerste Schicht des Grabbündels. Sie möchten, dass die Leute es sehen. Um es zu ehren. Das Walters Art Museum schlägt etwas anderes vor.

Der Zinnober auf dieser Maske weist einen gemusterten Eindruck auf. Textilmarken. Die Maske war nicht außen. Es war innen eingewickelt. Unter weiteren Textilien begraben, versteckt. War es für die Geister gedacht? Oder für den Dreck? Der Zweck des falschen Kopfes könnte während des Einwickelvorgangs rein ritueller Natur gewesen sein, ein spirituelles Gerüst, das verschwand, sobald der Vorfahre sesshaft geworden war.

Die Chancay sind nicht die Inkas. Sie bekommen keine Schlagzeilen. Doch neuere Forschungen zu ihren Keramiken und den Tätowierungen auf ihren Mumien deuten auf eine äußerst komplexe Gesellschaft hin. Künstler mit ernsthaftem Können. Eine Kultur, die sich sehr darum kümmerte, wie man aussah, als man diese verließ.

Wir verbringen so viel Zeit damit, uns Gold und Jade anzusehen. Wir vergessen das Holz. Die Haare. Das Quecksilber.

Die Maske ist klein. Zerbrechlich. Ein Fragment einer Tradition, die wir nicht vollständig rekonstruieren können. Sie können in die Diamantaugen starren und versuchen, einen Geist zu finden. Aber Sie werden keinen finden. Nur rote Farbe. Und altes, getrocknetes Menschenhaar.