Wie Willy Brandt per Knopfdruck das Farbfernsehen in Deutschland einführte

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Es war genau 10:57 Uhr am 25. August 1967. Die Luft in den Berliner Messehallen war voller Vorfreude. Willy Brandt, der damalige Bundesminister des Auswärtigen, stand vor einer Menge Presse, Ingenieuren und neugierigen Schaulustigen. In seiner Hand befand sich ein Knopf. Es hatte etwa die Größe einer Faust. Rot. Prominente.

Er drückte darauf.

Das Ergebnis war sofort sichtbar. In ganz Westdeutschland erblühten Wohnzimmer, die über ein Jahrzehnt lang monochrom gewesen waren, plötzlich in Farbe. Das erste offizielle Bild, das auf die Bildschirme kam, war weder eine Landschaft noch ein Nachrichtensprecher. Es war eine Nahaufnahme von Brandts Daumen, der auf demselben roten Knopf ruhte. Stille breitete sich in den Messehallen aus. Das Experiment hatte funktioniert. Westdeutschland und der größte Teil Europas waren offiziell in das Zeitalter des Farbfernsehens eingetreten.

Die Kamera schwenkte vom Daumen weg, um den Raum einzufangen. Da war Walter Bruch, der Ingenieur, dem die Erfindung des PAL-Systems zugeschrieben wird, das all dies möglich machte. Er stand inmitten der Beförderung, ein ruhiger Mann hinter einem lauten Technologiesprung.

Das Rennen um Farbe

Der Sendetag endete nicht mit der Zeremonie. Um 14:30 Uhr gingen ARD und ZDF gemeinsam auf Sendung. Ihr erster Farbtest? Ein französischer Film namens Cartouche der Bandit. Es war ein grober Test, aber er bewies, dass das Signal Farbe übertragen konnte, ohne in statische Aufladung zu verfallen.

Der eigentliche Test kam später am Abend. Die Federführung übernahm hier das ZDF, das um 20:00 Uhr die 25. Folge der 90-minütigen Gameshow „Der Goldene Schuss“ ausstrahlte. Es war das erste Mal, dass Zuschauer ein Live-Unterhaltungsprogramm in Farbe sehen konnten. Die ARD war nicht weit dahinter. Am nächsten Tag folgte ihr eigenes Live-Farbdebüt: der „Gala-Abend der Schallplatte“ mit Vivi Bach und Dietmar Schönherr. Zum ersten Mal konnte das Publikum das Glitzern von Pailletten und das Rouge von Make-up in echten Farben sehen.

Warum PAL den Kontinent gewann

Das war nicht nur eine deutsche Neuheit. Es war eine Kontinentalverschiebung. Westdeutschland war das erste europäische Land, das das PAL-System (Phase Alternating Line) einführte. Es war dem überlegen, was andere verwendeten oder verwenden wollten.

Die Welt spaltete sich in Lager. Das deutsche System, PAL, würde schließlich in den meisten Teilen Europas und einem Großteil der Welt übernommen werden. Es verarbeitete Farbsignale auf eine Art und Weise, die Übertragungsfehler besser verzeihte. Unterdessen hielten die Deutsche Demokratische Republik (Ostdeutschland), Frankreich und mehrere Ostblockländer am SECAM-System fest. PAL überzeugte nicht nur aufgrund der örtlichen Gegebenheiten, sondern auch aufgrund seiner technischen Robustheit.

Der Wechsel veränderte die Art und Weise, wie Menschen die Welt sahen. Plötzlich war das Grün eines Fußballplatzes grün. Das Blau des Himmels war blau. Die beigen Wände eines Wohnzimmers bestanden nicht mehr nur aus Grautönen. Es schien eine kleine Sache zu sein, eine Optimierung einer alten Technologie. Doch in dem Moment, als Brandt diesen Knopf drückte, endete die Ära der Graustufen.

Für uns ist Farbe mittlerweile eine Selbstverständlichkeit. Wir merken es kaum. Damals war es ein Schock für das System. Eine plötzliche Injektion